Von Topfdeckelfrisuren und leitenden Mitarbeitern

Ladestelle in einem größeren Werk in der Nähe von Dillenburg. Ich komme an und die Schranke schließt sich. Also Lkw abstellen und zum Pförtner dackeln:

Tag, ich soll Leergut für Italien laden!“
Fahr zum Versand und melde dich dort“!
Wo ist der?“
Warst Du noch nicht hier?“
Hätte ich sonst gefragt!“

Kurze Zeit später im Versandbüro:

Tag, ich soll Leergut laden für Italien!“
Sind wir nicht zuständig!“
Ahso, wer denn sonst?“
Ein Büro weiter!“

Also 10 Meter ins Nachbarbüro gedackelt. Ein Mann mit einer eigenartigen Topfdeckelfrisur sah mich mit großen Augen an:

Tag, ich soll Leergut für Italien laden!“
Wer schickt Dich hierher?“
Die vom Büro nebenan!“
Wir haben nichts für Italien!“
Aha!“

Plötzlich verlies er seinen Schreibtisch und kam auf mich in einer Geschwindigkeit zu, die jeder Schnecke Konkurrenz machen würde.
Ich wich instinktiv einen Schritt zurück.

Nun wies er mich an, Ihm zu folgen. Er ging ins Lager, ich folgte Ihm unauffällig.

„Frag mal den Staplerfahrer da hinten!“

Also ging ich zum Staplerfahrer:

Tag, ich soll Leergut für Italien laden!“
Weis ich nix von. Wer hat dich denn hierher geschickt?“
„So ein Kunde mit einer eigenartigen Topfdeckelfrisur!“
Der hat eh keine Ahnung!“
„Wundert mich nicht!“

Also wieder ins Büro geschlurft – mittlerweile war ein „leitender“ Mitarbeiter der Versandabteilung anwesend.

Tag, ich soll Leergut für Italien laden!“
Wer hat Dich denn zu uns geschickt?“
Euer Pförtner!“
Ja, aber von wem hast Du den Ladeauftrag?“
Von meiner Disposition!“
Dann ruf die mal an und frage nach, wo Du laden sollst!“

So ging ich zum Lkw und telefonierte mit meiner Dispo.

Tag, ist der Markus da?“
Nein, der ist kurz ausser Haus. Aber kann ich Dir helfen?“
Also, hier bei R. weiss keiner was von dem Leergut!“
Ich ruf da mal an!“
Joa!“

5 Minuten „Däumchen gedreht“ und wieder zu diesem Büro gedackelt. Inzwischen war diese eigenartigen Topfdeckelfrisur wieder anwesend.

Meine Firma hat hier angerufen. Jetzt müßtet Ihr wissen, was ich laden soll!“
Hier hat niemand angerufen!“
Ich habe eben mit denen telefoniert und…!“

Weiter kam ich nicht, denn diese eigenartigen Topfdeckelfrisur setzte sich wieder in Bewegung. Er schlich an mir vorbei in Richtung Lager. Ich folgte…

Im Lager trafen wir auf den „leitenden“ Versandmitarbeiter. Die eigenartige Topfdeckelfrisur meldete sich zu Wort:

Der ist nervös. Angeblich hätte seine Firma bei uns angerufen. Hier hat aber niemand angerufen!“
Hä, wo bin ich nervös?“

Der „leitende“ Versandmitarbeiter winkte ab und erzählte mir irgendetwas davon, dass die Firma R. schliesslich viel größer wäre, als die Firma für die ich fahre und man deshalb nicht alles wissen könnte.
Ich entgegnete: „Groß ist nicht immer gut!“
Irgendwie verstand er meine Antwort nicht richtig und fragte nach, was ich gesagt habe. Ich anwortete: „Nix, schon gut!“

Ich ging wieder zum Lkw, um ein weiteres Mal mit meiner Disposition zu telefonieren. Dort nannte man mir die Namen von zwei Personen, die „von der Sache“ wußten.

Auf dem Weg zurück zum Büro kam mir der „leitende“ Versandmitarbeiter entgegen, um mir freudig mitzuteilen, dass er jetzt wüßte, welche Abteilung für mich und mein Leergut „zuständig“ wäre und man dort schon auf mich warten würde.

Der Rest ging relativ fix…

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2 Antworten

  1. Also die Kollegen „Keine Ahnung“, „Ich Warsnicht“ und ihre Freunde scheinen aber auch wirklich in allen Firmen zu arbeiten …

    Highlight bei mir war eindeutig der Auftrag „Fahr mal zu PCH im (Hamburger) Freihafen und lade für Nürnberg.“
    Mehr Informationen hatte mein AG nicht – und ich damit auch nicht. Problem: PCH hat nicht nur mehrere Hundert (oder Tausend?) abgehende Sendungen täglich, nein, sie haben auch mehrere Betriebsgelände mit diversen Gebäuden.
    Meine Rückfrage, ob man mir wenigstens sagen könne, zu welcher Hausnummer bzw. welchem Gelände ich fahren sollte, brachte leider nur ein „Ach, gibts da mehrere?“ zur Antwort.

    Naja, nach 6 Stunden Dauertelefonat mit verschiedenen Stellen – mein AG, sein AG, dessen AG usw. – hatte ich die Ware an Bord und war durch den Zoll. *argh*

  2. … glaubt mir, die „Büroseite“ ist auch nicht immer einfacher. Klar, wir müssen nicht wie blöd durch die Gegend laufen, aber ich hab auch schon tolle Telefonate hinter mir. Am Besten sind immer noch die, wo man wo anruft, weil man bis 18 Uhr laden kann und der Fahrer schon um 17 Uhr keinen mehr antrifft 😦 Oder einmal wo ich Freitag abends um 21 Uhr noch die Handynummer einer Kundin ergoogelt habe, dann noch mal ins Büro gefahren bin und samstags versucht habe, die Probleme mit einer Russlandsendung zu klären.
    Aber ich weiß, dass das nicht selbstverständlich ist und es genug Büroleute gibt, denen die Fahrer ziemlich egal sind.. Was ich echt sch.. finde

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