Urteile

Pkw beim Überholen von Lkw besonders gefährdet

Immer wieder stören Autobahnbaustellen den Verkehrsfluss in Deutschland.

Mal werden schadhafte Autobahnabschnitte instand gesetzt, mal Fahrbahndecken erneuert, Brücken saniert oder Tunnel nachgerüstet.
«Die verengten Fahrbahnen entlang von Baggern und Arbeitern sowie die hohe Staugefahr machen solche Baustellen zu ausgesprochen gefährlichen Bereichen mit erhöhter Unfallgefahr», warnt der Dekra-Sachverständige Jörg Ahlgrimm in Stuttgart.

Autofahrer sollten daher vor Baustellen das Tempo rechtzeitig verringern, die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit einhalten und auf verengten Fahrbahnen besonders konzentriert fahren.
Diese dringliche Empfehlung hat einen düsteren Hintergrund: Allein im Jahr 2005 ereigneten sich in Baustellenbereichen mehr als 2000 Unfälle, bei denen 27 Personen getötet und 1904 verletzt wurden.

Besonders gefährlich sind Überholvorgänge in Baustellenbereichen, weil es auf dem nur 2,50 Meter breiten Überholstreifen vor allem beim Vorbeifahren an breiten Fahrzeugen wie Lkw oder Bussen sehr eng werden kann. «Es sieht nicht nur eng aus, es ist auch eng», weiß Gunter Herring von der Autobahnpolizei Düsseldorf: «Nehmen Sie besser die rechte Spur, wenn es Ihnen zu eng ist. Dort haben Sie 30 Prozent mehr Platz.
Der Zeitverlust in einer sechs Kilometer langen Baustelle beträgt, wenn Sie statt mit 80 nur mit Tempo 60 vorankommen, gerade einmal 90 Sekunden.»

Dem Rat des Praktikers zu folgen ist auch aus haftungsrechtlichen Gründen ratsam.
Nach einem Urteil des Landgerichts Osnabrück (AZ: 5 O 1098/06) muss der Überholende bei einer Kollision zwischen einem Personen- und einem Lastwagen immer einen Teil des Schadens tragen, unabhängig davon, ob der Lkw nach links ausschert oder nicht.

«Der Fahrer eines Pkw trägt bereits dann eine Schuld, wenn er sich an einer besonders engen Stelle an einem Lkw vorbeizwängt», klärt Dekra-Mitarbeiter Ahlgrimm auf.
Aber auch bei Fahrbahnschwenks ist auf einen ausreichenden Abstand zu Nutzfahrzeugen zu achten, da sie in diesen Bereichen viel Platz benötigen.
Erhöhte Unfallgefahr besteht außerdem bei der Überleitung einer Fahrspur auf die Gegenfahrbahn.

Hier kommt es darauf an, besonders aufmerksam und vorausschauend zu fahren. Da in einspurigen Verkehrsführungen ein Ausweichen nicht möglich ist, gilt es, zum Vordermann einen größeren Abstand zu halten und bremsbereit zu sein. «In diesen Bereichen kommen Auffahrunfälle besonders oft vor», warnt Ahlgrimm.

Dass es in Baustellen meist keinen Standstreifen gibt, kann für denjenigen zum Problem werden, den ausgerechnet hier eine Panne erwischt.
Er sollte versuchen, noch eine Nothaltebucht zu erreichen. Diese sind meist im Abstand von zwei Kilometern eingerichtet. «Gelingt das nicht, sofort die Warnblinkanlage einschalten und versuchen, das Fahrzeug rechts neben dem Fahrstreifen abzustellen und nur auf der dem fließenden Verkehr abgewandten Seite aussteigen», rät Autobahn-Polizist Herring.

Sobald man das Pannenfahrzeug verlassen hat, sollte man hinter die Leitplanke oder Absperrung klettern und versuchen, den fließenden Verkehr zu warnen. Herring: «Hat man ein Handy dabei, sofort 110 anwählen, damit die Polizei möglichst rasch eingreifen kann.»


Wer auf der Autobahn absichtlich zu langsam fährt und andere behindert, muss mit einer saftigen Strafe rechnen.

Wie der deutsche Anwaltsverein (DAV) berichtet, hat das Bayrische Oberste Landesgericht einen Autofahrer wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von umgerechnet 1660 Euro und zu zwei Monaten Fahrverbot verurteilt, weil dieser absichtlich mit 42 Stundenkilometer vor einem Lastwagen hergefahren war.

Der Lasterfahrer hatte den Angaben zufolge zuvor unerlaubt überholt und ihn behindert. Darüber sei der Fahrer des Personenwagens so erzürnt gewesen, dass er den Lasterfahrer habe belehren wollen.

( Bayrisches Oberstes Landesgericht,AZ: 1 St RR 57/01)


Rheinbach. Mit der Zahlung von 1 000 Euro „gut weggekommen“ ist nach Meinung von Amtsrichter Ulrich Schulte-Bunert ein 28-jähriger Lastwagenfahrer aus Hamminkeln. Die Anklage: Übermüdung und damit ein so genannter körperlicher Mangel sei die Ursache für seinen Unfall mit 13 250 Euro Sachschaden, als er Anfang Januar mit seinem Sattelzug auf der A 61 in Fahrtrichtung Venlo zwischen den Abfahrten Miel und Swisttal von der Fahrbahn abgekommen war.

Allein 31 Meter Buschwerk, zehn Elemente der Leitplanken und Flurschaden auf 80 Meter Länge hinterließ der Sattelzug, bevor er schließlich im Feld auf der Seite landete. Der Fahrer selbst blieb unverletzt. Auch vor Gericht hatte er keinerlei Erinnerung daran, wie es zu dem Unfall gekommen war. Eine Überschreitung der Lenkzeit jedenfalls sei anhand der Tachoscheibe nicht festzustellen, so Schulte-Bunert.

Die fehlende Erinnerung des Angeklagten an das Geschehen aber hielt der Rheinbacher Richter für einen Hinweis darauf, dass der Fahrer am Steuer eingeschlafen sei. Der Verteidiger brachte das Stichwort „Sekundenschlaf“ als Erklärung ein, allerdings wies der Richter auf eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs hin, nach der jemand, der einschlafe, zuvor sehr wohl Ermüdungserscheinungen habe. Dann wiederum hätte der Fahrer aber nicht weiterfahren dürfen, weil dies laut Gesetz als „körperlicher Mangel“ anzusehen ist.

Auch die Schilderung eines 68-jährigen Zeugen sprach zwar für ein Einschlafen, brachte jedoch keine Sicherheit, weil er den Fahrer nicht in der Kabine hatte sitzen sehen.

Gegen Zahlung von 1 000 Euro an die Staatskasse wurde das Verfahren eingestellt.

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