Ausnahmen bestätigen die Regel

Die meißten Firmen in Italien schliessen von 12.00 Uhr bis gegen 14.00 oder 14.30 Uhr Ihre Tore: Mittagspause ist angesagt. Das ist auch für mich die Zeit, in der ich meine Augen schließen kann 😉

Es gibt jedoch Tage, da will möchte man noch unbedingt vor der Pause be- oder entladen werden. Blöd nur, wenn die Ankunftzeit laut Navi und eigener Berechnung nur 15 oder 20 Minuten vor Beginn der Pause liegt.

Kennt man die Firma, ist das in der Regel kein Problem. Man kennt den Weg, weiß wo und bei wem man sich in der Firma melden muß und wie man die Leute dort „zu nehmen hat“.  Das heißt, ob man forsch und direkt auftreten sollte oder eher zurückhaltend und bittend ( bitte nicht verwechseln mit betteln, dass habe ich noch nie gemacht und werde ich auch nie machen).

Selbst Kunden relativ schnell zu finden, die man (noch) nicht kennt, ist in heutiger Zeit dank Navigationsgerät in der Regel auch kein Problem mehr.

Aber wie heißt es so schon: Ausnahmen bestätigen die Regel…

Per Telefon bekam ich von meinem Disponenten den Auftrag, in Fara Fillorum Petri, einem kleinen Ort zwischen Pescara und Rom, in den Abruzzen gelegen, zu laden.

Ort und Strasse ins Navi eingegeben: Navi suchte, Navi fand, Ankunftszeit gegen 11.30 Uhr – wunderbar.

Dort angekommen führte mich das Teil in die Ortsmitte. Die Strassen wurden nicht nur enger, sondern auch steiler und zu allem Überfluss war auch noch Markttag.

Also halten, aussteigen und fragen: der Verkäufer am ersten Stand besah sich meine handschriftlichen Notizen, schüttelte mit dem Kopf und brüllte die gesuchte Strasse in Richtung Nachbarstand. Der dortige „Marktmensch“ war aber anscheinend schwerhörig, denn ich hörte als Antwort nur einen Laut, der dem deutschen „Häh“ ähnlich klang.

Immerhin hörte er das Hupen einiger Pkw, die sich durch meinen Lkw gestört fühlten, denn sein Blick wanderte in die Richtung, aus der das Hupen ertönte.
Ich hielt Ihm trotzdem meinen Zettel unter die Nase, dass Ergebniss war aber wiederum nur ein Kopfschütteln.
Eine Kundin dieses Mannes empfahl mir dann, es in einer Bar zu versuchen. Diese läge im oberen Teil des Ortes und die Wirtin würde alles und jeden in der näheren und weiteren Umgebung kennen.
So habe ich die zumindest verstanden.

Ich fuhr den Lkw erstmal zur Seite. Das Hupen der Pkw verstummte und ich versuchte den Lkw rückwärts in eine noch engere Gasse zu bugsieren.
Nachdem eine Marktfrau Ihren Stand mit Unterwäsche teilweise abgebaut hatte, gelang mir das auch relativ gut.
Mittlerweile war es 11.37 Uhr…

Irgendwie fand ich auch diese Bar nicht sofort. Also hielt ich an einer Autowerkstatt und fragte den dortigen Schlosser. Auch der schüttelte nur den Kopf.
Ich fragte Ihn nach der Bar. Aus seinem Mund kam ein langgezogenes „Aah“ und er bedeutete mir, weiter zu fahren.
Mittlerweile war es 11.42 Uhr…

Weiter oben „entdeckte“ ich die Bar an einer Strassenkreuzung. Ich hielt, ging hinein und zeigte der Inhaberin meinen Zettel. Sie überlegte kurz und erzählte irgendetwas von „Plastica“ und „Azienda“ und „Problema“.
„Problema“? Nee, dass wollte ich nicht hören.

Dann ging Sie nach draussen, ich folgte Ihr. Sie zeigte mit Ihrem Arm die Strasse entlang und erzählte irgendetwas von „duecento“ (zweihundert).
Ich bedankte mich artig und fuhr langsam weiter.
Mittlerweile war es 11.46 Uhr…

Auf der linken Seite sah ich eine Firma: „Maxplast Industriale„! Hm, keinerlei Ähnlichkeit mit dem Namen der Firma, bei der ich laden sollte.
Also wieder halten, aussteigen und nachfragen: im Lager hielt ich einem Staplerfahrer den Zettel unter die Nase.
Er las und deutete Richtung Rampe. Ich sagte: „Nix hier, sondern da“ und zeigte dabei mit einem Finger auf den Zettel.
Er sagte: „Si, Maxplast kabuutt. Du hier richtig!

Ich ging zum Lkw, öffnete die Türen vom Auflieger und fuhr rückwärts an die Rampe.
Mittlerweile war es 11.52 Uhr…

Eigentlich rechnete ich nicht mehr damit, noch vor der Pause beladen zu werden. Aber die Rampe senkte sich und der Stapler brauste schon mitsamt Fahrer und dem ersten Stapel Paletten in Richtung Auflieger.

Ich zeigte auf das Schild, auf dem die Ladezeiten standen:
8.00 – 12.00 und 14.00 Uhr – 16.30 Uhr

Der Staplerfahrer winkte ab und sagte: „Wenn Du fertig, dann ich Pause„!

Ausnahmen bestätigen halt die Regel…

Fahrt ins blaue…

Manchmal lohnt es sich sogar, sein Navi zu fotografieren… 🙂

naviblau.jpg

In natura sieht das ganze so aus (zwischen Ravenna und Venedig):

naviblai1.jpg