Frankreich

Kaum etwas beeindruckt einen Franzosen so, wie die Beherrschung seiner Sprache durch einen Ausländer.

Ob Ihr zur Erlernung auf Eure alten Schulbücher zurückgreift, Kurse besucht oder moderne Lernmittel anwendet, bleibt Euch überlassen. Die Erfahrung zeigt: die teuersten Methoden sind selten die Besten und die größten Fortschritte macht Ihr vor allem vor Ort, im Zusammenprall mit Land und Leuten.

Geht verschwenderisch mit Madame, Monsieur, Mademoiselle um, etwa so: bonjour, Monsieur; merci, Mademoiselle; avec plaisir, Madame etc. Das klingt gut, höflich und wird auch oft erwartet.

Notare, Anwälte und Künstler redet Ihr mit Maître (Meister) an.

Lernt, die Verben in der 2.Person Plural zu beugen. Die Anrede vous (Sie) ist selbst unter Jugendlichen verbreitet und bleibt auch nach jahrelanger Bekanntschaft unter Franzosen üblich, allerdings wird sie dann mit dem Vornamen verwendet ( Z. B. Nehmen Sie doch einen Keks, Peter).

Ritualisierte Essenseinnahme

Menüs bestehen aus Vorspeise, Hauptgericht und Dessert, manchmal kommen Suppe und Käse dazu, auf dem Land auch der Wein.

So ein 5-Gang-Menü kostet auf dem Land inklusive Wein derzeit rund 15 EURO.
Mittagsmenüs sind preiswerter als Abendmenüs.

Vegetarier oder Leute, die lieber einen großen Salat bestellen, stoßen nicht selten auf ruppige, unfreundliche Reaktionen seitens des Personals oder der Wirtsleute.
Das liegt an der noch immer ritualisierten Essenseinnahme mittels der aufeinander abgestimmten Folge von Gängen, die das Menü ausmachen, ganz gleich ob Dorfkantine oder feines Restaurant.
Hieraus auszubrechen wird nicht etwa als Beleidigung gegen den Wirt oder Koch, sondern als Ablehnung der französischen Zivilisation überhaupt verstanden – Genuss geht vor Sättigung!

Buchtipp: Gebrauchsanweisung für Frankreich

Wenn Ihr mit Kollegen zum Essen einkehrt, beachtet: kleinkrämerisches Auseinander-Rechnen im Restaurant gehört hinter die Kulissen.

Viele Routiers unterscheiden die Preise, abhängig davon, ob Ihr am Tresen steht oder an einem Tisch sitzt, innen oder im Freien, tagsüber oder nachts konsumiert.

Solltet Ihr ein Euch unbekanntes Restaurant aufsuchen, das auch keinen Stern zu verteidigen hat, verzichtet am Besten auf ausgefallene Gerichte.
Nehmt Sie die Tagesplatte (plat du jour) oder das Tagesmenü (Menu du jour), dann könnt Ihr einigermaßen sicher gehen, keine Kühltruhenhüter aus der untersten Ecke aufgewärmt zu bekommen.
Das Standardgericht im Land heißt Steak frites, ein Stück Rindfleisch mit Fritten. Kaum eine Küchenperson bringt es übers Herz, das Steak stärker als englisch-blau zu braten, auch wenn Ihr à point, also so etwa Medium bestellt.
Wer es Medium haben will, kann deshalb eine Garstufe darüber ansetzen und cuit oder gar bien cuit ordern, um ein nicht gerade innen rohes Stück zu erhalten.
Falls das nicht klappen sollte: man gewöhnt sich an die Lappen und solch guter Qualität ist natürlich roh zarter und wohlschmeckender, als die liederlich Durchgebratenen.

Allgemeine Tipps zum Einkehren

Vertraut anderen Brummifahrern, wo man schnell und preiswert gute Qualität bekommt.
Viele Lastwagen vor der Wirtschaft sind deshalb meist eine Empfehlung für die Küche.
Gute Regionalkost bieten die Restaurants der Logis de France, in denen auch übernachtet werden kann.

Auf Autobahnraststätten könnt Ihr natürlich keine Nouvelle Cuisine erwarten.
Dafür fehlen auch die fetttriefenden Bratwürste deutscher Raststätten. Der Mittagstisch beginnt um 12 Uhr und dauert bis 14 Uhr.
Danach bieten nur noch die städtischen Brasseries und nachmittags die Salons de Thés warme Küche.

Der Abendtisch beginnt ( i. d. R. ) nicht vor 20 Uhr.

Mahlzeiten in Frankreich

Das Frühstück besteht in Frankreich oft nur aus einem heißen Getränk und einer Backware – es spielt keine große Rolle.

Das Mittagessen hingegen nimmt gerne eineinhalb Stunden in Anspruch.

Zudem nehmen Franzosen ein reichhaltiges, warmes Abendessen ein, der familiäre Höhepunkt des Tages.

Im Sommer verschiebt sich das Abendessen um die Zeit, die der Apéro in Anspruch nimmt, nach hinten. Zum Aperitif werden appetitanregende Alkoholika, amuses gueules (kleine Häppchen) und Knabbereien geboten.

Krankheit während der Frankreich – Reise

Wappnet Euch mit dem Auslandskrankenschein E 111 der gesetzlichen Krankenkassen. Die vorgelegten Arztkosten werden Euch in Deutschland zurückerstattet.
Privatversicherte müssen klären, ob eine Kostenübernahme gewährt wird.

Apotheken (Pharmacie) erkennt Ihr am grünen Kreuz.
Medikamente sind teilweise um die Hälfte billiger als in Deutschland und werden an Reisende gegen Barzahlung auch ohne Rezept abgegeben.

Wochentage und ihre Riten

Montags nehmen sich die meisten Selbständigen frei. Kleine Läden, vor allem auf dem Land, sind dann geschlossen.
Außerdem locken niedrigere Eintrittspreise abends ins Kino.

Samstags steuern viele Familien die dann völlig überfüllten Hypermärkte zum Einkaufen an.
Freitag und Samstag Abend gehen die Leute aus. Die Fernsehsender dürfen keine Spielfilme senden.
Eine Ausnahme ist Canal Plus, der französische Pay-TV Sender, der auch an diesen Abenden Spielfilme bringt. Am ersten Samstag jedes Monats übrigens den echt heißen Mitternachtsporno.

Feiertage in Frankreich

Außer den großen katholischen Feiertagen existieren vier gesetzliche, davon verdanken die französischen
Arbeitnehmern zwei den Deutschen:

1. Mai: Demos und Maiglöckchensträuße als Glücksbringer, die jedermann am Straßenrand verkaufen darf.

8. Mai: ein Kompromiss zwischen deutscher Kapitulation am 7. Mai 1945 und ihrer Ratifikation am 9. Mai 1945.

14. Juli: Sturm auf die Bastille, der Nationalfeiertag mit Tanz und großem Feuerwerk in fast allen Gemeinden, ersetzt das Geballer, das in Frankreich an Sylvester verboten ist.

11. November: Waffenstillstand 1918 mit jährlichen Gedenkfeiern in allen Gemeinden und Kranzniederlegung vor den Kriegsdenkmälern.

Karfreitag und der 26.Dezember sind nur in Elsaß-Lothringen Feiertag; das Dreikönigsfest gilt nirgendwo als Feiertag.

Individualität geht vor Anpassung

Die Individualität bedeutet den Franzosen sehr viel mehr als ihr Ansehen in der Gesellschaft, daher sind sie ständig bemüht, eigene Ideen zu verfolgen, was ihre Kreativität fördert.
Auf der anderen Seite neigen sie aber auch dazu, altbewährtes abzulehnen, weil es ihnen zu angepasst erscheint.

Für den Deutschen, an den schon bei Stellenausschreibungen der Anspruch gestellt wird,
Anpassungs- und Teamworkfähig zu sein, erscheinen die individuellen Züge des Franzosen hingegen als Marotten.

So wird dann auch der gepflegte, aber unauffällige Deutsche eines bestimmten Standes in einem angemessenen Auto vorfahren, während der Franzose, der sein Auto immer noch eher als Gebrauchsgegenstand ansieht, im teuren Anzug in seinem verbeulten Citroen oder Peugeot erscheint.

Statussymbole zählen nicht so in Frankreich
Das ist wichtiger als das Statussymbole in Frankreich und Deutschland vergleichen zu wollen, rechtfertigte sicher eine eigene Studie mit besonderem Augenmerk auf historische und soziologische Verhältnisse
der beiden Länder.

Autos dienen in Frankreich der Fortbewegung von A nach B. Auch Geschäftsleute, die mit Kleinwagen vorfahren, werden für voll genommen.
Die meisten Leute bedienen sich deshalb der preisgünstigsten und wendigsten Vertreter der Gattung, augenblicklich eben der Twingos, Saxos und Polos, die ja inzwischen alle mit Seiten- und Frontal-Prallsäcken ausgestattet sein können.
Selbst Milliardäre und Showstars fahren so etwas. Kilometerschlucker wie Handelsvertreter verwenden Mittelklassefahrzeuge.
Fahrzeuge der Oberklasse sind im täglichen Verkehr, wie Ihr sicher festgestellt habt, die seltene Ausnahme.

Einkaufen In Frankreich

Auch wenn Sie damit den innerstädtischen Einzelhandel nicht gerade unterstützen heißt die erste Anlaufstelle für Einheimische wie für Neuankömmlinge: das Centre
Commercial, meist mit eigener Autobahnausfahrt in der Peripherie der wichtigen Städte des Landes.

Die Rolle der Hauptanziehungspunkte dieser Zonen spielen die Hypermarchés, Verbrauchermärkte oft 20.000 qm Verkaufsfläche, deren raffiniert aufgebauten Kundenleitsysteme den Verbraucher zum Großeinkauf bewegen.
Die aus dem raumknappen Deutschland bekannte Enge gilt als wenig schick. Auf großen Alleen schieben Sie den tiefgelegten Caddy durch die Warenwelt.
Verkaufsinseln in Supermarktgröße, von Hifi über Gartenbedarf bis zu den von zünftig gekleideten Zureichern und Schreiern besetzten Schnittkäse- oder Frischfischtheken lassen den Einkauf zum Erlebnis werden.

Öffnungszeiten sind von 9.00 – 21.00 oder später, selbstverständlich auch am Samstag, den Ihr
wegen Überfüllung meiden solltet.
Die größten Ketten heißen AUCHAN, CARREFOUR, LECLERC, GEANT-CASINO und CORA. Die Qualität der Produkte ist gut, auch die der immer stärker vertriebenen eigenen Labels.

Es gibt aber mittlerweile auch ALDI und LIDL oder NETTO mit guten landestypischen Artikeln zu einem
günstigen Preis in jeder größeren Stadt.

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